FH Stralsund - Leisure and Tourism Management - Prof. Dr. Wolfgang Arlt

 


 

 

 

 

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 Wolfgang Arlt: "Die Eingeborenen sind wir"

 Artikel in: VOYAGE 2002, Köln 2002

Als im April 1949 in Köln der deutsche Sieger des ersten internationalen Radrennens in Deutschland nach dem Krieg seine Ehrenrunde fuhr, gab es noch keine anerkannte deutsche Nationalhymne. Die Veranstalter behalfen sich mit dem beliebtesten Karnevalsschlager jener Jahre: "Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien" (1).

Diese Selbstdefinition eigener Unterlegenheit ist den Deutschen aber mit dem Wirtschaftswunder und dem Aufstieg zum "Reiseweltmeister" schnell wieder abhanden gekommen - die "Eingeborenen", die unter Modernisierungsverbot stehenden Objekte des touristischen Blickes, wohnen zwar nicht mehr bei Hagenbeck's, können aber auf gut organisierten Studienreisen jederzeit gefahrlos auf Borneo, am Amazonas oder in Australien besichtigt werden.

Für die Reisenden der "Grand Tour" auf der Suche nach den antiken Wurzeln des Abendlandes waren die deutschen Kleinstaaten nur ein Zwischenstopp. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts konnte sich Deutschland jedoch seinen Gästen als Heimat von Beethoven, Marx und Benz (in der ostdeutschen Variante: Luther, Goethe, Bach), von "Gemutlichkeit" und Fachwerkhaus, präsentieren, als Teil der "Old World" jedenfalls, deren alte Gemäuer und Geistesgrößen sich von den Gästen aus der "New World" wie aus der "Third World" als Quellen der Moderne bestaunen ließen.

Im 21. Jahrhundert heißt es aber, sich hierzulande auf neue Touristen einzustellen: Gäste, die ihre eigene Kultur als Ursprung der menschlichen Zivilisation sehen und die unterstellte Sicht auf das "ehrfurchtvoll Erhabene der westlichen Kultur" (2) einfach nicht teilen wollen und die gleichzeitig nur geringe Affinität zu den westlichen Grundmustern der Maslow'schen "Selbst-Aktualisierung" und der Fetischisierung des "Authentischen" zeigen.

Ein kurzer Blick in die Statistik macht diesen Trend deutlich: 1985 reisten nach WTO-Zählung 32 Mio. Menschen aus dem ostasiatisch-pazifischen Raum in andere Länder und waren damit für 10% der Ausreisen verantwortlich. Im Jahre 2000 hatte sich nicht nur die absolute Anzahl innerhalb von 12 Jahren auf 111 Mio. Personen mehr als verdreifacht, mit 16% verstärkte sich auch ihre relative Bedeutung erheblich, da sich insgesamt die Zahl der internationalen Reisenden im gleichen Zeitraum "nur" verdoppelte. Bis 2020, schätzt die WTO, wird sogar jeder vierte internationale Tourist aus dem ostasiatisch-pazifischen Raum stammen. (3)

Auch in Deutschland stellen die asiatischen Besucher die einzige Gruppe von Inbound-Touristen, deren Zahl im zweistelligen Prozentbereich wächst. Von den 16 Mio. Reisenden aus dem ostasiatisch-pazifischen Raum, die 2000 nach Europa kamen, besuchten allerdings nur etwa 2 Mio. die Bundesrepublik. (4)

Selbstverwirklichung oder Gruppenverwirklichung

Texte über die Unterschiede zwischen verschiedenen okzidentalen und orientalischen Kulturen - und ihre die wirtschaftlichen Konsequenzen - füllen von Hofstede bis Trompenaars, von Cross-Culture-Marketing bis Website-Internationalisierung ganze Bibliotheken. (5) Im Bereich des Tourismus gilt jedoch: "Regrettably, there has been lack of study which attempts to directly measure cultural characteristics and explains how these cultural characteristics play a role in creating distinctive differences in tourist motivation." (6) - eine Aussage, die auch die asiatischen Tourismuswissenschaftler miteinbezieht.

Der koreanische Tourismusforscher Kim Chulwon hat mit "Understanding the Cultural Differences in Tourist Motivation Between American and Japanese Tourists" vor kurzem die Ergebnisse einer eigenen Studie vorgelegt, die qualitative Einschätzungen durch quantitative Erhebungen untermauert und eine kurze Darstellung verdient:

Kim findet die bekannten Kategorien von Hofstede (Grad der Machtdistanz, des Individualismus, der Unsicherheitsvermeidung und der Maskulinität) zur Kennzeichnung unterschiedlicher sozialer Gruppen und Regionen in den von McIntosh and Goeldner (7) benutzten Dichotomien zur Erklärung touristischen Verhaltens (Ordnung-Unordnung, Abhängigkeit-Autonomie, Bekanntheit-Neuheit, Aktivität-Entspannung) wieder und zeigt auf, das die in "westlichen" Ländern vorzufindende Betonung von niedriger Machtdistanz (Unordnung) und vor allem von Individualismus (Autonomie) die in der Regel unreflektierte Grundlage aller gängigen Überlegungen zur Motivation und zum Verhalten von Touristen darstellt.

"Individualismus" als "emotionale Unabhängigkeit von Gruppen, Organisationen und Kollektiven" (Hofstede) gegenüber "Kollektivismus" als "assoziierende, enge Beziehungen mit in-groups, gekennzeichnet durch Konformität, Solidarität und Verpflichtungen" (8) führt zu zwei gegensätzlichen Konzepten dessen, was Steven Rosen 1997 in einer anderen Studie im Vergleich zwischen den USA und Japan als "personhood" bezeichnete:

"American culture shows how metaphorical meanings invent a self/person as a unique decision maker, author of its own motivations and ontologically separable from the social world. In Japanese culture, on the other hand, the ethnographic data reveals concepts of personhood precipitated out of a set of cultural meanings which feature a radical ontological attachment of the individual to the social world, with self-control and the suppression of (selfish) desires as the central motif of this personhood." (9) 

Motivationen und Verhaltensweisen im Tourismus wie Flucht aus dem Alltag, Suche nach Neuem, Selbst-Aktualisierung oder "ego-enhancement" basieren alle auf der Grundlage einer individualistischen "personhood":

"In a collectivistic society, other-enhancement is more desirable than self-enhancement, because the latter risks isolating the individual from the network of reciprocal relationships." (10)

Kim untermauert diese theoretischen Überlegungen mit eigener Feldforschung: Mit einem Fragebogen befragte er persönlich 1998 etwa 400 Urlauber, die von den Flughäfen in Los Angeles bzw. Tokyo abflogen. Im ersten Teil des Interviews ermittelte er Aspekte des Grades individualistischer bzw. kollektivistischer Haltungen, im zweiten Teil befragte er die Vergnügungsreisenden zu ihren Reisemotivationen.

Die Ergebnisse zeigten bei den amerikanischen Touristen in allen Punkten eine klare Korrelation zwischen deutlich vorherrschenden individualistischen Haltungen und entsprechenden Reisemotivationen (Neues erleben, Abstand von den üblichen Bezugspersonen, Selbstverwirklichung). Bei den japanischen Urlaubern zeigt sich dagegen deutlich ein Vorherrschen kollektivistischer Haltungen und entsprechender Motivationen (Wissen und Prestige vergrössern, Familien- und Gruppenzusammengehörigkeit stärken). Allerdings ist bei Japanern wie Amerikanern gleichstark die Motivation des "get away of it all" vorzufinden, ein Indiz, meint Kim, für die vorfindbaren "westlichen" Einflüsse auf die japanische Gesellschaft.

In Hofstede'schen Kategorien könnte hier allerdings auch der Erklärungsansatz der "Unsicherheitsvermeidung", des Grades des Bedürfnisses nach Planbarkeit und Vorhersehbarkeit, greifen. Im Gegensatz zu den meisten süd- und ostasiatischen Ländern gleicht hier Japan als Gesellschaft mit geringer Unsicherheitstoleranz eher den europäischen Staaten incl. Deutschland, denen die Idee der "Entspannung und Erholung" im Urlaub als Reaktion auf den ausgeprägten Alltagsstress und die klare Trennung von Arbeit und Freizeit und eigen ist.

Im Vergleich zu den japanischen Touristen können Besucher aus China noch deutlich selbstbewusster unter die "Eingeborenen" im "exotischen" (11) Reiseziel Europa treten. Es ist kein Zufall, dass an Sylvester 1999 in Beijing nicht das Jahr 2000 nach Christus begrüsst, sondern eine "ewige" Flamme zur Verherrlichung von 5.000 Jahren chinesischer Hochkultur entzündet wurde (12). Die Überzeugung von der langfristigen Überlegenheit "asiatischer Werte" und chinesischer kultureller Raffinesse gegenüber der westlichen Zivilisation ist in der Volksrepublik in den letzten Jahren mit zunehmender Deutlichkeit propagiert worden, zumal man den vorübergehenden Verlust der Position als "Mitte der Welt" seinem Ende zugehen sieht.

Mit diesem Überlegenheitsgefühl im Gepäck kann das Abreisen europäischer "Sights" als prestigesteigernde Tätigkeit genossen werden, ohne aber Parthenon und Sixtinische Kapelle als dem Ursprung eigener Ästhetik und Formensprache zu huldigen und kann mit mitleidigem Lächeln die - im Vergleich zu filigranen Tempeldächern und zarten Tuschzeichnungen in der heimatlichen Kultur - Vulgarität von Barockfassaden und Ölgemälden bestaunt werden.

Verdeutlichen lässt sich das Verhältnis zur europäischen und speziell zur deutschen Kultur am aus chinesischer Sicht wichtigsten Teil des Lebens: dem Mahl. Beim Essen hört der Spass auf - trotz der hundsmiserablen Qualität des Angebots fast aller asiatischen Restaurants in Deutschland bestehen die allermeisten Gäste aus Ostasien auf ihrer eigenen Küche. Ein paar Nürnberger Rostbratwürstchen als lokale Besonderheit zum Ausprobieren, ein Eisbein als Mutprobe, eine Hühnersuppe als unverfängliche Zwischenmahlzeit - soweit können sich chinesische oder koreanische Gäste auf deutsches Essen einlassen. Die Armseligkeit eines Wurstbrots, die Trostlosigkeit einer Mahlzeit, die nur aus zwei oder drei Gängen besteht, sind jedoch für einen asiatischen Gaumen so erlebnisarm wie für einen asiatischen Magen - zumindest vermeintlich - schädigend. Selbst Italien, wo doch die Pasta dank Marco Polo etliche Jahrhunderte vor den heutigen Besuchern aus China angekommen ist, entgeht kaum der Zensur "Venedig ist ja ganz putzig und der Petersdom wirklich recht gross, aber das Essen, oh je!"

Solche Verhaltensweisen sind uns natürlich aus den Anfängen des deutschen Auslandstourismus auch vertraut und beliebter Teil des Anti-Tourismus-Diskurses. Die "Was der Bauer nicht kennt..."-Haltung ist aber hierzulande ein klar negativ besetztes Zeichen mangelnder Weltläufigkeit, der man sich gefälligst zu schämen hat. Auf Gäste, die selbstbewusst auf ihrer eigenen Küche bestehen, weil deren Überlegenheit für sie feststeht, sind unsere Bewertungsmaßstäbe touristischen Verhaltens nicht geeicht.

Konsequenzen für die Tourismustheorie (und für europäische Inbound-Tourismus-Manager)

Die obigen Ausführungen sollen die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass die theoretische Betrachtung des Tourismus bis jetzt praktisch immer von einem impliziten westlichen, individualistischen Menschenbild ausgegangen ist, bei dem es in erster Linie um die Verwirklichung der eigenen Ansprüche geht, egal ob diese nun in Bildung, Erholung oder Entgrenzung bestehen. Eine Entwicklungsgeschichte des Tourismus, die von Herodot über die Grand Tour und Mallorca bis zum Hallenskihang Bottrop reicht, als universell gültig darzustellen, funktioniert nicht mehr, wenn die zunehmende Zahl asiatischer Touristen eine Ausweitung des abendländischen Blickwinkels verlangt. Denn die Idee, mit der "Grand Tour" hätte die Vergnügungsreise angefangen, ist ebenso das Ergebnis einer europäisch verengten Perspektive wie die Behauptung, Johannes Gutenberg hätte den Druck mit beweglichen Lettern erfunden oder Berthold Schwarz das Schiesspulver - in allen Fällen hatten Chinesen etliche Jahrhunderte "Vorsprung".

Dass die kollektive Orientierung orientalischer Gesellschaften ein vorübergehendes Phänomen bzw. ein Merkmal ihres vor-modernen Entwicklungsstandes darstellt, ist u.a. im Rahmen der Modernisierungstheorie eine häufig geäusserte These gewesen. Soziologische Untersuchungen wie die oben zitierten oder die kürzlich vorgelegte Arbeit von Angelika Fürst (13) deuten in eine andere Richtung. Die weitere empirische Beobachtung der Entwicklung des touristischen Verhaltens asiatischer Reisender unter diesem Gesichtspunkt könnte für diese Diskussion sicherlich wichtige Daten liefern. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass selbst Jürgen Habermas vor dem Hintergrund der zerstörten Türme des World Trade Towers bei seiner Friedenspreis-Rede in der Frankfurter Paulskirche im Oktober 2001 mit dem Begriff der "post-säkularen Gesellschaft" andeutete, dass Industrialisierung und selbst Globalisierung nicht notwendigerweise zu einer weltweiten säkularen und damit individualistisch orientierten Gesellschaft führen.

Für die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Tourismus ergibt sich aus aus dem überfälligen Rückbezug der "touristischen" Verhaltensweisen auf die jeweiligen Herkunftskulturen der Reisenden - so kann man hoffen - eine Chance, auf einer neuen Ebene soziologische, historische und anthropologische Erkenntnisse fruchtbarer miteinander und auch mit ökonomischen Fragestellungen zu verknüpfen als bisher. Ein kulturvergleichender Ansatz, der nicht von der impliziten Unterstellung der Überlegenheit und Modellhaftigkeit "unserer" abendländischen Weltsicht ausgeht, ist in der Lage, für viele tourismuswissenschaftliche Diskussionen produktive Beiträge zu liefern. Dies gilt umsomehr, wenn man über den oben dargestellten motivationstheoretischen Ansatz von Kim Chulwon hinausgeht und auch die kulturbedingten Unterschiede im Verhalten der "Gastgeber" und der "Bereisten" in die Betrachtung - beispielsweise der Trennlinien von Arbeit und Freizeit, Körper und Geist usw. - miteinbezieht.

Ein Anwendungsbeispiel: Der Begriff der "Authentizität", der Umgang mit der notwendigerweise vergeblichen Suche des Touristen nach ursprünglichen, unverfälschten, "traditionellen" Gegenden und Menschen bzw. der spielerische Umgang mit "neuen" Authentizitäten in Themenparks etc. im Post-Tourismus, spielt in der tourismustheoretischen Debatte bekanntlich seit Jahrzehnten eine zentrale Rolle (14).

In Ostasien verlaufen die Bruchlinien der "Echtheit" jedoch an ganz anderer Stelle: Authentisch ist hier die Bewahrung der einmal gefundenen Form als Ausdruck des Wesens des Kunstwerks, des Gebäudes, der sozialen Beziehung usw., nicht das verwandte Material oder die Akteure. Eine Pagode, die ein dutzendmal abgebrannt und ein dutzendmal in exakt gleicher Weise wieder aufgebaut worden ist, ist daher weiterhin ein Original und in diesem Sinne "alt" und besuchenswert als Symbol der kollektiven Identität, ganz im Gegenteil z.B. zu einem über die Kunstepochen hin immer wieder umgebauten europäischen Sakralbau.

Als sich Monate nach dem Brand der Kapellbrücke in Luzern 1993 herausstellte, dass das in Flammen aufgegangene Holz nicht aus dem Jahr 1333 stammte, sondern überwiegend aus dem 20. Jahrhundert, fühlten sich die schweizer Spender für den Wiederaufbau betrogen. Diese Reaktion erscheint aus chinesischer Sicht unverständlich, wenngleich man sich ihr anzupassen versteht: Die Reiseführer in Beijing beispielsweise haben gelernt, beim Besuch der blaugedeckten Haupthalle des Himmelstempels westlichen Touristen gegenüber unerwähnt zu lassen, dass das Gebäude zwar im 15. Jahrhundert erstmals, jedoch im jetzigen Zustand erst vor einhundert Jahren nach einem Blitzschlag "neu" errichtet wurde.

Auch die Rollenbestimmtheit sozialer Interaktion ist für einen Konfuzianer eine blanke Selbstverständlichkeit, eine Unterscheidung zwischen "echter" und "gespielter" Herzlichkeit des Servicepersonals, zwischen "authentischem" und "nicht-authentischem" Verhalten (15) per se ein absurder Gedanke, da er die Existenz eines "wahren" Individuums jenseits der sozialen Rollen voraussetzt.

Die Idee der "Authentizität" erweist sich so nicht nur theoretisch als soziales Konstrukt, sondern kann durch einen real existierenden Alternativentwurf relativiert und damit - hoffentlich - in der Diskussion ihrer Funktion als moralischer Kategorie entkleidet werden.

Diese hier nur kursorisch darstellbaren tourismustheoretischen Überlegungen resultieren, dass sei unumwunden zugegeben, derzeit im wesentlichen noch in der Produktion neuer Fragen, auf die Antworten erst zu finden sein werden. Für das europäische Inbound-Touristik-Marketing dagegen stellt die Zunahme der Zahl ostasiatischer Touristen schon heute neue Anforderungen: Argumente, die das Besondere, Verborgene, zu Entdeckende hervorheben, gehen an den Interessen gruppenaktualisierungsorientierter Reisender ebenso vorbei, wie der DZT-Slogan "Deutschland ist nicht Hollywood, hier ist alles echt", (16) der im Sinne westlicher Authentizität die Ehrwürdigkeit alter Mauersteine höher schätzt als den Vergnügungswert einer Reise zu uns - den Eingeborenen.

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(1) "Trizonesien-Song" von Karl Berbuer, veröffentlicht im Dezember 1947. Die 3. Strophe des Deutschlandlieds wurde erst 1952 wieder zur (west-)deutschen Nationalhymne erklärt.

(2) Jörg H. Gleiter: Exotisierung des Trivialen. In: Voyage Jahrbuch für Reise- & Tourismusforschung 1999, S. 48-66, S. 63.

(3) WTO (ed.): Tourism Market Trends 2000 - East Asia and Pacific, Madrid 1999

(4) Statistisches Bundesamt (Hg.): Tourismus in Zahlen 2000/2001, Wiesbaden 2001.

(5) Vgl. z.B. Geert Hofstede: Lokales Denken, globales Handeln, München 1997; Fons Trompenaars, Charles Hampden-Turne: Riding the Waves of Culture, New York 1998; Paul Herbig: Handbook of Cross-Cultural Marketing, New York 1996; ExportFactory (Hg.): Internationalität der Webauftritte deutscher Unternehmen, Berlin 2001.

(6) Chulwon Kim: Understanding the Cultural Differences in Tourist Motivation between American and Japanese Tourists. In: Journal of Travel & Tourism Marketing, Vol. 9, Numbers 1-2 (2000), S. 153-170.

(7) Robert W. McIntosh, Charles Goeldner: Tourism: Principles, Practices, Philosophies, New York 1990.

(8) C. Harry Hui, Harry C. Triandis: Individualism-collectivism: A study of cross-cultural researches. In: Journal of Cross-cultural Psychology, 17 (1986), S. 225-248.

(9) Steven L. Rosen: The Self in American and Japanese Cultures. Ideologies of the Self in Cross-cultural Communication, Aalborg 1997 (im Internet: http://www.sprog.auc.dk /res/csis/proj/pub/rosen1.html).

(10) Kim 2000, vgl. Hazel Rose Markus, Shinobu Kitayama: Culture and the self: Implications for cognition, emotion and motivation. In: Psychological Review 98 (1991), S. 224-253.

(11) Es ist eben nicht so, dass "... als Kulturtechnik dem Fremden gegenüber .. der Exotismus immer ein Privileg des Westens gegenüber den aussereuropäischen Kulturen (war)." Gleiter 1999, S. 58. Die Reisen des Zheng He, dessen Flotte auf sieben Seereisen ein Jahrhundert vor den Portugiesen Ostafrika erreichte, wurden eingestellt, da sich ausser einigen "exotischen" Souvenirs wie Giraffen nichts Interessantes finden liess (vgl. Louise Levathes: When China ruled the seas, Oxford 1994), die mechanischen Erzeugnisse des 18. Jh., die stolze europäische Gesandte dem Qing-Hof darboten, wurden dort als kuriose Spielzeuge belächelt (vgl. James L. Hevia: Cherishing Men from Afar: Qing Guest Ritual and the Macartney Embassy of 1793, Durham 1995).

(12) Präsident Clinton nutzte ausgerechnet die Minuten der Mitternacht in der chinesischen Zeitzone für eine kurze Dankesrede im Washingtoner Nachmittagssonnenschein an den abtretenden Kollegen Jelzin, womit er die Live-Übertragung der Zeremonie in Beijing auf CNN verdrängte. Ob dies als absichtlicher Rempler in Huntington'schen "Kulturkampf" gemeint war oder nicht, sei hier dahingestellt.

(13) Vgl. die Besprechung in dieser Ausgabe der VOYAGE.

(14) Vgl. als Überblick Heinz-Günter Vester: Authentizität. In: Heinz Hahn, H. Jürgen Kagelmann (Hg.): Tourismuspsychologie und Tourismussoziologie, München 1993, S. 122-124 oder aktuell z.B. Kevin Meethan: Tourism in Global Society: Place, Culture, Consumption, Houndmills/New York 2001.

(15) Wie es z.B. diskutiert wird von Adelheid Schrutka-Rechtenstamm: Begrenzt: Interkulturelle Beziehungen im Tourismus. In: Reinhard Bachleitner, Peter Schimany (Hg.): Grenzenlose Gesellschaft - Grenzenloser Tourismus?, München/Wien 1999, S. 101-112.

(16) Leitmotto u.a. der Sparte "Kultur" auf www.deutschland-tourismus.de. Vgl. dazu auch Anette Therkelsen: Tourism Marketing and the Role of National Images. In: Ernst-Ullrich Pinkert, Anette Therkelsen (eds.): Intercultural Encounters in Tourism, Aalborg 1997, S. 11-30.

Abstract english:

In 2020 one out of four international travellers will come from East Asia instead of only one out of ten in 1985. These tourists differ in their cultural background from "western" tourists in their non-individualistic behavior and less reverent view of European societies and heritage. This should support the widening of the horizon of scientific views on tourism, which have until now mostly taken an individualistic, self-enhancement-centered approach for granted. On the background of research by Kim Chulwon and Steven Rosen as well as the authors own experiences, the text uses the examples of food and the discussion about authenticity to argue in favour of the necessity and fruitfulness for a deeper understanding of touristical behavior to take the differences in the cultural set-up of all sides involved in touristical encounters into account. For inbound tourism managers this means new challenges to adjust their marketing messages towards different, i.e. collectivistic, values and a different idea of authenticity.

Abstract deutsch:

Nach dem Zweiten Weltkrieg sahen sich die Deutschen - für kurze Zeit - als "Eingeborene von Trizonesien". Die deutliche Zunahme ostasiatischer Reisender am Welttourismus führt nun erstmalig Gäste nach Europa, die unserer Kultur ohne Ehrfurcht, sondern mit dem Gefühl eigener Überlegenheit begegnen. Damit wird auch das in der Tourismustheorie implizit unterstellte Bild des individualistischen, nach Selbstverwirklichung strebenden Menschen in Frage gestellt. Vor dem Hintergrund der Studien von Kim und Rosen sowie eigener Arbeiten des Autors benutzt der Text die Beispiele der Frage der nationalen Küchen und der verschiedenen Sichtweisen in der Frage der Authentizität, um zu belegen, dass eine Rückbezug auf die Herkunftskulturen aller an touristischer Interaktion Beteiligter zu neuen und fruchtbaren Ansätzen in der wissenschaftlichen Betrachtung des Tourismus führen kann. Für die Praxis stellen die "neuen" Touristen aus Asien eine Herausforderung dar, denn Marketing und Angebote für gruppenverwirklichungsorientierte Reisende müssen anders aussehen als für die Phileas Foggs und Robinson Crusoes der westlichen Reisewelt.

Kurzvita:

Prof. Dr.rer.pol. Wolfgang Arlt, geboren 1957 in Berlin, Studium der Sinologie, Soziologie und Politologie an der FU Berlin. Langjährige Erfahrung in der Organisation von Reisegruppen aus Ostasien in Europa. Nach Lehraufträgen für Multikulturelles Management und Marketing an der FHW und der TFH Berlin sowie im Studiengang "Leisure and Tourism Management" an der FH Stralsund seit 1.1.2002 Professor für Freizeit- und Tourismuswirtschaft an der FH Stralsund.

 

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 Contact: wolfgang.arlt@fh-stralsund.de  Office: 1/132, Tel. (03831) 45 6961

 

 
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